Nürnberg - Prag / im querschnitt



Zur Ausstellung

Prag und Nürnberg – zwei Städte, die seit 1990 ein offizieller Partnerschaftsvertrag verbindet – können auf Jahrhunderte alte Verbindungen zurückblicken, die im historischen Kontext vor allem durch Karl IV. als deutschen Kaiser gegeben sind. In diesen Beziehungen und ihrer weiteren historischen Entwicklung ging es häufig nicht nur um politische Konsequenzen, sondern auch um bedeutungsvolle Kontakte auf dem Gebiet der Kunst und um die gegenseitige Verflechtung von Anschauungen und Tendenzen.

An diese traditionellen Beziehungen sowohl in der Vergangenheit als auch Gegenwart knüpft die Ausstellung an, die nacheinander in Prag und in Nürnberg gezeigt wird und deren Thema die konstruktive Konfrontation der gegenwärtigen Kunstszene und des -geschehens in der tschechischen und der fränkischen Metropole ist.

Mit dem Ziel, die eigenständige Entwicklung, aber gleichzeitig die markante Orientierung an aktuelle Fragen der Bildenden Kunst quer durch die Generationen der tschechischen und deutschen Autoren vorzustellen, wurde eine gemeinsame Schau von insgesamt acht Künstlern zusammengestellt. Jeweils vier von jeder Seite – der Prager und Nürnberger Künstler der mittleren und älteren Generation -, die dank ihrer nicht zu übersehenden Position im nationalen wie im internationalen Kontext der gegenwärtigen Kunstszene sowohl eine Garantie für die Qualität als auch für ein breites Besucherecho darstellen. Bewusst wurden die Künstler – fünf Männer und drei Frauen – ausgewählt, in deren Gegenwartsschaffen trotz aller Unterschiede inhaltliche wie formale Parallelen zu finden sind. Ihre Werke beruhen nicht auf Gegensätzen, sondern auf gemeinsamem Dialog ähnlicher Techniken und Ausdrucksmittel, die dem Betrachter eine eigene konzeptionelle Auffassung anbieten.

Der Gegenpol zu Zdeněk Beran (1937), einem der Gründer der Gruppe „Zaostalí“ (Die Rückständigen), deren Mitglieder Erfahrungen aus dem Leben und der Kunst der avantgardistischen Ära nichtkonformer tschechischer Kunst der 60er und 70er Jahre verbanden, ist auf Nürnberger Seite der Bildhauer Hubert Hess (1953), den mit Beran vor allem das Interesse am Material des Kunstwerks und dessen räumlicher Gestaltung verbinden.

Xénia Hoffmeisterová (1958) glossiert ironisch unsere Gegenwart: ihre realistische Abbildung ganz alltäglicher Gegenstände und Themen geht über in eine eindringliche imaginative Aussage abgeschliffener Formen und Bedeutungen. Ihr Gegenüber in unserer Ausstellung ist Peter Angermann (1945), der ebenso wie Hoffmeisterová in seinen, auf den ersten Blick, eher traditionellen Werken eine kritische Ironie verbirgt, dank der seine Interpretation der Wirklichkeit ungeschliffen und reizvoll wirkt.

Veronika Bromová (1966) gehört zu den bekannten Vertreterinnen der Gegenwartsfotografie, die manchmal mit räumlichen Installationen oder auch Videoart verbunden ist. Dem gleichen künstlerischen Genre widmet sich auch Pirko Julia Schröder (1970), die jedoch im Unterschied zu Bromová, die sich auf die Herausbildung ihrer ganz eigenen Realität konzentriert, die Wirklichkeit eher anatomisch zerlegt, um sie dann wieder in neuen überraschenden Zusammenhängen zu verbinden.

Vladimír Kokolia (1956), dessen vielseitiges Talent auch in die poetische Richtung geht, „modelliert“ seine Zeichnungen und Malereien mit einer klaren Linie, ebenso wie sein Nürnberger Gegenüber Peter Kampehl (1947). Gleichzeitig lassen sich jedoch beide Maler in ihrer künstlerischen Aussage nicht durch die Fläche ihres Gemäldes begrenzen, sondern überschreiten sie um ein Vielfaches in Richtung des ganzen Ausstellungs- und Lebensraumes.